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Das Physische wird digital (Teil 1)

Blog-Eintrag   •   Jan 28, 2016 16:36 CET

Donnerstag, 2. September 2020, 8:00 Uhr, irgendwo in einem Dorf in der Schweiz.

Sandra arbeitet für ein internationales Speditions- und Logistikunternehmen. Sie hat gerade zu Hause gefrühstückt, schaltet die Morgennachrichten aus und öffnet ihr Tablet. Die Chatnachricht ihres Freundes wird sie später beantworten, denn ihr Arbeits-Dashboard macht sie auf zwei Alerts aufmerksam, um die sie sich sofort kümmern muss.

Der erste Alert betrifft einen temperaturgeführten Transport ihres Basler Pharmakunden. Die teure Ware steckt wegen schlechten Wetters in Bangkok im Verkehr fest. Der Transport zum Flughafen ist derzeit unmöglich. Wenn nicht gehandelt wird, könnten der kritische Temperaturbereich überschritten und die Pharmazeutika beschädigt werden. Mit nur einem Klick wählt sich Sandra in eine virtuelle Konferenz ein, um mit ihren Kollegen in Thailand zu sprechen. Diese haben bereits eine Kühlzelle für die vorübergehende Lagerung sowie den Weitertransport organisiert. Den Kunden muss sie nicht informieren. Das erledigt das System. Da sich auch der Flugplan ab Bangkok geändert hat, wurde die Fracht von dem im Hintergrund laufenden System bereits automatisch auf das nächste Flugzeug umgebucht und der Kunde mittels Nachricht auf sein Smartphone darüber informiert. Trotz dieser Komplikationen kann das geplante Lieferdatum eingehalten und die Ware rechtzeitig an das Krankenhaus in Kambodscha zugestellt werden.

Der zweite Alert betrifft mehrere Sendungen. Es ist zu 85% wahrscheinlich, dass sich drei Container auf dem Weg nach São Paulo aufgrund eines Streiks am Hafen in Panama um fünf Tage verspäten werden. Es ist sogar gut möglich, dass die Verzögerung bis zu acht Tage dauern wird. Eine brauchbare Alternative gibt es nicht, um die Sendungen ihrem Automobilkunden zuzustellen, der die Teile für seine Produktionsanlagen in Südamerika benötigt. Mit einem Klick leitet sie deshalb eine systembasierte Offerte an den Kunden weiter. Der Vorschlag: Der 3D-Drucker ihres Unternehmens in Brasilien fertigt die dringend benötigten Teile an, damit der Bedarf für fünf Tage gedeckt ist und ein Produktionsstopp abgewendet werden kann. Alles was Sandra dafür benötigt, ist der GCode ihres Kunden. Die Teile, die in Panama festsitzen, können zu einem späteren Zeitpunkt in der Produktion verwendet werden.

Ein kurzer Blick auf ihr umfassendes Dashboard zeigt, dass alle anderen Aufträge reibungslos ausgeführt werden. Über 150 neue Transportanfragen von anderen Kunden wurden bestätigt und bei See- und Luftfrachtcarriern gebucht. Über das System erfolgt dies automatisch und somit auf die kostengünstigste und schnellste Weise. Im Transitlager in Zürich werden 87 Lieferungen konsolidiert und für den Lufttransport vorbereitet. Weitere 1 349 Sendungen sind gerade überall auf der Welt unterwegs. Viele von ihnen passieren den Luftfracht-Gateway in Luxemburg, der im Gegensatz zu anderen Flughäfen nicht überlastet ist. Insgesamt verlaufen 98% aller Ereignisse wie geplant. Die übrigen 2% sind unkritische Ereignisse, die auf die Beobachtungsliste gesetzt werden.

Ein Auftrag zur Auftstockung des Warenbestands in einem japanischen Distributionszentrum wurde soeben automatisch erstellt und an ihren Kunden im Modebereich versendet. Nach dem gestrigen Start einer neuen Social Media-Kampagne wird eine Nachfrage-Explosion von 250% erwartet. Alle anderen Warenbestände in den übrigen Distributionszentren wurden mit dem prognostizierten Bedarf synchronisiert – dabei wurden keine Engpässe oder andere mögliche Probleme vom System ermittelt.

Um 9:00 Uhr macht sich Sandra auf den Weg ins Büro. Dort wird sie sich auf den Besuch des grössten Kunden ihres Unternehmens vorbereiten. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie kürzlich dessen Lieferkettennetzwerk im Detail analysiert und neu modelliert. Ergebnis: Über die ganze Lieferkette hinweg könnten 25% der direkten und indirekten Kosten eingespart werden. Sie ist zuversichtlich, dass sie und ihre Kollegen – die fünfmal so viele Sendungen wie noch vor fünf Jahren abwickeln – die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Kunden haben werden.

Digitalisierung

So wie Sandras Tag könnte in fünf Jahren der typische Tag einer Mitarbeiterin eines auf Logistik spezialisierten Dienstleistungsunternehmens aussehen. Diese Unternehmen, auch Third-Party Logistics Providers (3PLs) genannt, nutzen schon heute viele der genannten Technologien und Tools. Bis 2020 werden wir in einer Welt leben, in der Automatisierung, Vernetzung, Transparenz und Flexibilität dank Informationstechnologie beträchtliche Fortschritte gemacht haben werden. In diesen Bereichen wird in den kommenden Jahren vieles weiter perfektioniert während die Digitialisierung in der Transport- und Logistikindustrie mit grossen Schritten vorankommt.

Heute prägt immer noch das Physische das internationale Transport- und Logistikgeschäft und die Arbeit von 3PLs ist nach wie vor sehr arbeitsaufwändig. Grosse technologische Fortschritte in den vergangenen 200 Jahren – von der Eisenbahn über Automobile bis hin zu Flugzeugen – haben den Transport zu dem gemacht, was er heute ist: spezialisiert und relativ kostengünstig. Die Transportmöglichkeiten haben stark zugenommen und sind in den vergangenen zwei Jahrhunderten deutlich komplexer geworden. Seit der Erfindung des Flugzeugs hat es jedoch wenige Innovationen im Hinblick auf die Transportarten gegeben. Natürlich suchen wir nach Wegen, um Güter schneller und in grösseren Mengen zu transportieren und entwickeln dafür eine bessere und effizientere Infrastruktur. Aber nicht eine neue Transportart wird zu einer Umwälzung beim Transport physischer Gegenstände führen, sondern die digitale Transformation.

Produkte können heute über verschiedenste Online-Kanäle gekauft werden und neue Lösungen für die Zustellung zum Endkunden werden ausgelotet. Traditionelle Transport- und Logistikunternehmen müssen sich gegen neue Wettbewerber behaupten. Diese stossen mit innovativen Geschäftsmodellen und -ansätzen in den Markt vor, die das Bekannte in Frage stellen und verbessern. Viele dieser neuen Vorreiter – von Amazon bis hin zu Uber – nutzen die Informationstechnologie und Digitalisierung von Dienstleistungen als Hauptpfeiler für ihr Geschäft.

Im zweiten Teil des Blogs berichten wir über die fünf grössten Trends, welche die Transport- und Logistikbranche prägen – alle haben mit der digitalen Transformation zu tun.

In der Zwischenzeit gibt Ihnen dieses zweiminütige Video einen ersten Eindruck, was Digitalisierung für 3PL Kunden tun kann.

Christoph Lienhard, Global Head of Customer Solutions
Mike Wilson, Global Head of Logistic Manufacturing Services