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Das Physische wird digital (Teil 2)

Blog-Eintrag   •   Jan 29, 2016 19:31 CET

Im ersten Teil unseres Blogbeitrags über die digitale Transformation haben wir gezeigt, wie ein typischer Tag im Jahr 2020 für einen Mitarbeiter eines Drittanbieter-Logistikdienstleisters aussehen könnte. Nun, in Teil zwei, heben wir heute fünf große Trends hervor, die die Speditions- und Logistikbranche bereits heute prägen - alle in Verbindung mit der digitalen Transformation


1) IT-Systeme verbessern Effizienz und Produktivität

Der Transport von A nach B – sei es auf der Strasse, in der Luft oder auf See – wird immer mehr zu einer „Massenware“, zu einer Dienstleistung mit zunehmender Preistransparenz und hauchdünnen Margen. Es gibt zwei Möglichkeiten auf diese Entwicklung zu reagieren: mit Kostenführerschaft oder mit Mehrwertdiensten – oder mit beidem.

Eine Kostenführerschaft lässt sich nur mit modernen IT-Systemen erzielen.

Wie bei allen Unternehmen, die schon lange vor dem Computerzeitalter global tätig waren, haben sich auch bei internationalen Transport- und Logistikdienstleistern Systemprozesse oftmals eher beiläufig entwickelt. Das führte zu einer schrittweisen Umstellung auf Computer und vielen unterschiedlichen Systemen, die jeweils eine spezielle Aufgabe erfüllten. Die Automatisierung hat sich ähnlich bruchstückhaft entwickelt, so dass bei jeder Sendung, die von Transport- und Logistikdienstleistern abgewickelt wird, der Mensch immer noch eingreifen muss. Nachdem die 3PLs erkannt haben, wie wichtig die Arbeitsproduktivität ist, investieren sie nun massiv in die Modernisierung ihrer Systemlandschaften, um ihre Geschäftsabläufe zu digitalisieren.

Das bedeutet gleichzeitig, dass die Nutzung von Papier im Geschäftsalltag und bei Prozessen reduziert wird. Der ineffiziente und verschwenderische Einsatz von Papier macht Lieferketten immer noch unnötig schwerfällig. Endlose Bearbeitungszeiten und Archivberge sowie die Unfähigkeit das grosse Ganze wirklich im Auge behalten zu können, macht Papier zur Belastung. Aber es wird immer überflüssiger. Weniger Papier sorgt für mehr Effizienz, senkt Kosten und ist umweltfreundlicher. Der Verzicht auf Papier erhöht aber vor allem die Datenqualität, weil Daten weniger oft – im Idealfall nur einmal – erfasst werden müssen.

2) Visibilität in Echtzeit steuert Lieferketten und Warenbestände

Eine zuverlässige Datenqualität ist Voraussetzung für Visbilität in der Lieferkette und diese ist sowohl für 3PLs wie auch deren Kunden von zentraler Bedeutung. Kunden möchten wissen, wo in der Lieferkette und in welchem Zustand sich ihre Ware befindet. Moderne Technologien wie beispielsweise drahtlose Kommunikation in lokalen und weltumspannenden Kommunikationsnetzwerken können diese Informationen in Echtzeit liefern.

Wenn etwas schief zu gehen droht, werden automatische Alerts versendet, sodass interveniert werden kann. Die Verantwortlichen brauchen sich also nur auf die Abweichungen zu konzentrieren, da alle anderen Prozesse reibungslos im Hintergrund laufen. Das sorgt für mehr Flexibilität und Effizienz in der Lieferkette – und entspanntere Kunden.

Visibilität – der Zugang zu Informationen zu jeder Zeit und von überall – kommt auch bei der Steuerung von Warenbeständen ins Spiel. In der Logistik geht es um den ständigen Warenfluss, nicht um Lagerung. Produktemüssenin Bewegung sein – und zwar schnell. Eine hohe Umschlagsfrequenz ist der Schlüssel. Das übergeordnete Ziel besteht darin, den richtigen Bestand zur rechten Zeit am richtigen Ort zu haben und – was am wichtigsten ist – in den richtigen Mengen. Zu hohe Bestände binden das Betriebskapital und erhöhen die Gefahr für ein veraltetes Produktsortiment, vor allem bei schnelllebigen Produkten wie Elektronik- oder High-Fashion-Artikeln. Zu niedrige Bestände führen zu Engpässen, entgangenen Verkäufen und enttäuschten Endverbrauchern.

3) Datenanalysen optimieren Anlagen, Netzwerke und Bestände

3PLs sind ausgezeichnet positioniert, um die Warenbestände ihrer Kunden mitzusteuern, da sie über lange Zeit viele Berührungspunkte mit deren Produkten haben. Dadurch haben sie Zugang zu einem Datenmeer, das systematisch analysiert und dank ausgeklügelter Algorithmen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Mit dem Ermitteln von Mustern und Beziehungen im Datenbestand können Prognosen über das künftige Verhalten und Präferenzen von Kunden gemacht werden. 3PLs gewinnen so aus der Vogelperspektive wichtige Erkenntnisse über die Vorgänge in der Lieferkette und darüber, wie Leistungen in Zukunft optimiert werden können.

So können beispielsweise der Aufbau und die Prozesse einer Logistikanlage verbessert, ein gesamtes Lieferkettennetzwerk optimiert oder Bestände über den ganzen Lebenszyklus von Produkten hinweg abgebildet werden. Indem der Lebenszyklus eines Produkts abgebildet wird, können 3PLs besser nachvollziehen, an welchem Punkt sich der Bestand ändert und somit die maximale und minimale Bestandshaltung besser abschätzen. Das wiederum hilft dabei, den benötigten Platz, die Positionierung der Anlagen und das Dienstleistungsangebot zu planen. Die Kunden profitieren von einem Partner, der ihre Produkte in Bewegung hält und das erforderliche Betriebskapital in ihren Lieferketten minimiert.

Der Einsatz von In-Memory-Computing – bei dem Daten im Arbeitsspeicher (RAM) anstatt auf relationalen Datenbanken mit relativ langsamen Laufwerken verarbeitet werden – wird die Datenanalyse vorantreiben und 3PLs dabei helfen, Big Data schneller, effektiver und kostengünstiger zu extrahieren und zu analysieren.

Dank Big Data und In-Memory-Computing werden wir von der deskriptiven (was ist passiert) über eine diagnostische (warum ist es passiert), prädiktive (was wird wahrscheinlich passieren) hin zu einer prognostischen Analyse (was soll ich unternehmen) gelangen können.

4) Produktion verlagert sich zum Endkunden – Produkte kommen schneller auf den Markt

Derweil werden die Lebenszyklen von Produkten immer kürzer, insbesondere in der Mode- und Technologiebranche. Über die allgegenwärtigen Social Media-Kanäle kann ein Produkt über Nacht gehypt werden und die Nachfrage dafür explodieren. Typischerweise geschieht dies mit Mode- oder Elektronikartikeln. Die Markeneigner stehen dann vor der Herausforderung, genügend Produkte herzustellen und diese an den richtigen Ort zu bringen, bevor sich der Hype wieder legt. Mit E-Commerce können Kunden zudem an einem Tag ihre Bestellung aufgeben und die Ware bereits am nächsten oder sogar noch am selben Tag in Empfang nehmen. Dadurch werden die Lebenszyklen dieser Produkte weiter verkürzt. Wenn wir jetzt noch bedenken, dass Konsumenten vermehrt individuelle und personalisierte Produkten verlangen, dann drängt sich die Verlagerung der Produktion näher hin zum Kunden geradezu auf.

3PLs sind mit ihrer globalen Präsenz und Lagerhäusern sowie Distributionszentren in den wichtigsten Märkten prädestiniert, um Aufgaben am Ende des Herstellungsprozesses zu übernehmen – kurz bevor die Produkte an die Kunden ausgeliefert werden. Wenn 3PLs in Produktionsexpertise investieren, können sie Produkte zusammenbauen, Software-Updates und Tests für die Kunden aus der Technologiebranche durchführen oder die letzte Hand an Modeartikel legen. Das verringert die Beschaffungszeit für Kundenbestellungen enorm, senkt die Warenbestände und sorgt für mehr pünktliche Lieferungen.

5) 3D-Druck – die logische Konsequenz

Das führt nahtlos zum 3D-Druck, einer der aufregendsten Entwicklungen der digitalen Transformation. Der 3D-Druck symbolisiert förmlich die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt. Er hat das Potenzial, die verarbeitende Industrie und die Logistikbranche auf eine unvergleichbare Art und Weise zu revolutionieren.

Obwohl der 3D-Druck an sich nichts Neues ist, ist der jüngste Popularitätsanstieg angesichts der zuvor genannten Trends absolut nachvollziehbar. 3D-Druck ist nicht nur ideal, um die Produktion näher an den Endverbraucher zu bringen, er bietet auch Lösungen für tiefe Warenbestände und Massenpersonalisierung. Massenpersonalisierung heisst, der Kunde – egal ob Konsument oder Unternehmen – will sein Produkt haben, und zwar in der aktuellsten Version und sofort.

Mit 3D-Druck können Produkte nicht nur schneller auf den Markt gebracht werden, sondern auch noch im letztmöglichen Moment personalisiert und individualisiert werden. Der Mehrwert für den Kunden wird am Ende der Lieferkette generiert und der Markeneigner kann somit seine Bestände sowie die Kosten für Transport und veraltete Produkte auf einem Minimum halten. In einer Wirtschaft schliesslich, die zunehmend in Kreisläufen denkt, sind die Vorteile vom 3D-Druck auch im Bereich Ersatzteile und Reparaturen offensichtlich.

Keine Option, sondern ein Muss

Eines Tages wird der Informationsfluss möglicherweise wichtiger sein als der Güterfluss. Das ist sicherlich eine provokante Aussage. Aber während virtuelle Netzwerke im Hintergrund konstant Informationen austauschen und so weltweite Lieferketten steuern, kommen wir dieser Realität jeden Tag näher.

Die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt gibt 3PLs – trotz der nach wie vor starken physischen Komponente ihres Geschäfts – die Möglichkeit, mit verbesserten Technologien in das digitale Zeitalter zu gehen. Diese Technologien werden ihre Geschäftsprozesse deutlich effizienter und leistungsfähiger machen und sicherstellen, dass Kunden ihre Bestellungen rechtzeitig und mit vollständiger Visibilität entlang der Lieferkette erhalten. Bei der digitalen Transformation geht es letztendlich nicht nur um den Informationsfluss. Sie wirkt sich massiv auf die Bewegung physischer Güter aus.

Die Digitalisierung stellt für die Transport- und Logistikindustrie deshalb keine Option dar. Sie ist ein Muss. Während das traditionelle Geschäft immer austauschbarer wird, ermöglicht die Digitalisierung den 3PLs, ihre Produktivität zu steigern, neue Dienstleistungen anzubieten und auf immer anspruchsvollere Kundenbedürfnisse einzugehen. Die Digitalisierung ist aber auch unabdingbar, um für die „Digital Natives“ ein Arbeitgeber erster Wahl zu sein. Dazu gehört auch Sandra.